Die vormittelalterliche Situation in Europa

Das erſte Germanenreich

Das erste Germanenreich entstand etwa 9 v. Chr. Die Markomannen gründeten in Böhmen, Mähren und Schlesien das erste unabhängige Germanenreich. Die Markomannen bezogen, mehr oder weniger friedlich, umliegende Germanenstämme in ihren Machtbereich mit ein. So zum Beispiel die Bojer, die damals in Böhmen heimisch waren, die Marsinger, Lugier, Semnonen, Langobarden, Hermunduren und die Quaden, die in das Gebiet der Markomannen eingewandert waren. Im ersten Jahrhundert unserer Zeit, versuchten die Römer immer wieder germanische Gebiete zu erobern, die sich damals von Jütland bis an die Donau in nord-südlicher Richtung und von der Oder bis an den Rhein in ost-westlicher Richtung erstreckten. Am bekanntesten dürfte wohl die Schlacht im Teutoburger Wald sein, wo im Jahre 9 n. Chr. unter Führung des Cheruskers Arminius drei römische Legionen vernichtend geschlagen wurden. Westlich des Rheins gab es auch germanische Gebiete, diese waren jedoch schon länger unter römischer Besatzung. Im Jahr 90 wurden diese Gebiete offizielle römische Provinzen.

Karte der germanischen Stämme zw. 50-100 n. Chr. © Ziegelbrenner

Die Völkerwanderung

Um 150 lösten die Goten die erste germanische Völkerwanderung aus. Die Goten sind ein ostgermanischer Stamm und kommen nach eigenen Angaben aus Südskandinavien. Sie zogen südostwärts bis an das Schwarze Meer. Durch die Wanderungen verdrängten sie andere Ostgermanen aus ihren Gebieten, die sich dann wiederum auf die Suche nach einer neuen Heimat machen mussten. Betroffen von diesen Wanderungen (Vertreibungen) waren unter anderem die Semnonen, die sich mit anderen germanischen Stämmen zu den Alemannen zusammenschlossen. Desweiteren die Langobarden, die Vandalen, die Burgunder sowie die Angeln und die Sachsen. Die Westgermanen waren von der Völkerwanderung nur wenig betroffen. Sie hatten durch den römischen Einfluss eine sesshaftere Lebensweise entwickelt. Die Goten teilten sich schließlich in Ost- und Westgoten auf.
Am Anfang des 3. Jh. entstanden im Zuge der Völkerwanderung die Franken. Sie bestanden hauptsächlich aus drei Gruppen: den Saliern, den Ripuariern und den Chatten. Franken bedeutet im Übrigen „Freie“. Und frei bedeutet hier frei und unabhängig von Rom.
Mit dem Einfall der Hunnen in das Ostgotenreich begann die zweite germanische Völkerwanderung. Die Westgoten, ebenfalls auf der Flucht vor den Hunnen, kamen zahlreich über die Donau in römische Gebiete. Durch einen Förderatenvertrag verbündeten sie sich mit Rom und bildeten einen autonomen Staat. Dieser Vertrag hatte langfristige Konsequenzen. Er öffnete der Germanisierung Roms Tür und Tor. So gelangten Goten bis in höchste Führungspositionen. Zu allem Überfluss zerfiel das römische Reich langsam. Nach dem Tod von Kaiser Theodosius I. wurde das Reich in Ost- und West-Rom geteilt. Ein vandalischer Heerführer übernahm im Westen die Regentschaft und im Osten war es ein Gote, der die Macht an sich riss.
Auch die Burgunder sicherten sich, unter König Gundikar (Gunther), mit einem Förderatenvertrag linksrheinische Gebietsansprüche. Worms war die Hauptstadt des Burgunderreiches. Nach erfolglosen Versuchen der Burgunder, Teile der Provinz Belgica zu erobern, wurden sie von Aëtius, einem römischen Feldherren, im Gebiet der oberen Rhône angesiedelt. Ihre Hauptstadt wurde Lugdunum (Lyon).
Die Westgoten hingegen lösten sich von Rom, um ihre Gebiete weiter ausdehnen zu können und dadurch einen Zugang zum Mittelmeer zu erhalten.
In einer Schlacht bei Soissons im Jahr 486 besiegte Chlodwig I., König der salischen Franken, den römischen Feldherren Syagrius. Damit wurde Gallien fränkisch.

Förderatenvertrag:
Völkerrechtlicher Vertrag, in dem beide Staaten/Stämme gleichberechtigte Partner sind. Förderaten wurden nicht römische Staatsbürger. Die Förderaten übernahmen gegen Leistungen Aufgaben der Grenzsicherung oder stellten Truppen in Kriegen.